Geschichte
Überblick
Die Geschichte von St. Walpurgis reicht weit zurück. Bereits zwischen 984 und 1002 soll hier eine Kapelle für die Siedlung Strevelingerode entstanden sein. 1160 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Um 1250 wurde die Kapelle zur heutigen Kirche erweitert.
Seit dem Mittelalter besteht eine besondere Verbindung zur Schuster-Gilde, die sich über Jahrhunderte für den Erhalt und die Ausstattung der Kirche einsetzte. Nach der Reformation wurde St. Walpurgis zur Nebenkirche von St. Stephani.
Erst am 10. Februar 1948 wurde St. Walpurgis eine selbstständige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Kirche mehrfach restauriert und das Gemeindeleben weiter ausgebaut.
Von den Anfängen bis etwa 1500
984–1002
Unter Abt Werinbert von St. Ludgeri soll eine Walpurgis-Kapelle für die Siedlung Strevelingerode entstanden sein.
1160
Die Kapelle wird erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter entwickelte sich St. Walpurgis zu einer eigenen Pfarrkirche.
1220
Die Helmstedter Schuhmacher-Innung wird erstmals urkundlich erwähnt.
1250
Mit dem Bau der Stadtmauer wird St. Walpurgis in das Stadtgebiet einbezogen. Etwa zu dieser Zeit wird die Kapelle zur Kirche erweitert; Querschiff und Chor entstehen im gotischen Stil.
Bereits im 13. Jahrhundert engagieren sich die Schuster für die Kirche. Daraus entwickelt sich die besondere Verbindung zwischen der Schuhmacher-Innung und St. Walpurgis, die bis in die jüngere Gegenwart fortbesteht.
1312
Abt Wilhelm II. bestätigt die Rechte der Schuhmacher-Innung.
1344–1386
Mechthild, die Witwe Konrads von Warberg, lebt als Eremitin in einer Klause an der Kirche. Ihr Leben ist von Gebet, Askese und geistlicher Begleitung geprägt.
1393
Abt Brunostellt der Innung einen Bestätigungsbrief ihrer Rechte aus.
ca. 1450
Der Marien-Altar wird gestiftet.
ca. 1500
Der Schuster-Altar mit den Heiligen Crispinus und Crispianus, den Patronen der Schuhmacher, entsteht.
Von der Reformation bis 1897
1542–1568
Mit der Einführung der Reformation in Helmstedt verliert St. Walpurgis den Status einer Pfarrkirche und wird Nebenkirche von St. Stephani. Taufen und Trauungen finden grundsätzlich in St. Stephani statt; das Begräbnisrecht bleibt bei St. Walpurgis. Gottesdienste werden weiterhin in der Kirche gefeiert.
1600
Nach einem großen Brand sorgt die Schuster-Gilde für den Wiederaufbau der Kirche und stiftet dafür ein beträchtliches Vermögen. Das Patronat der Gilde gewinnt dadurch weiter an Bedeutung.
1605
Die Gilde unterstützt den Bau einer neuen Orgel. Die Gilde-Tafel zeugt von der engen Verbindung zwischen Gilde und Kirchengemeinde.
1676
In St. Walpurgis findet der Eröffnungsgottesdienst zur Hundertjahrfeier der Helmstedter Universität statt.
1679 und folgende Jahre
Die Kirche erhält eine barocke Ausstattung.
1690
Nach den Schäden der Kriegszeiten wird die Kirche erneut instand gesetzt.
1695
Die Gilde stiftet einen Taufstein.
1711
Aufgrund der „Erneuerten Kirchenordnung Anton Ulrichs“ von 1709 verliert die Gilde die uneingeschränkte Verwaltung der Kirchengüter.
1758
Die Orgel wird restauriert.
1760
Das Patronat der Gilde wird näher geregelt. Die Kirche steht zugleich unter der Aufsicht des Generalsuperintendenten und des Magistrats.
19. Jahrhundert
Das Patronatsrecht der Schuster-Gilde wird schrittweise eingeschränkt. Nach der Aufhebung der Gilden 1807–1821 übernimmt die staatliche Kirchenaufsicht zunehmend Aufgaben; die neu entstandene Schuhmacher-Innung behält jedoch weiterhin besondere Rechte an St. Walpurgis.
1804
Hilfsgeistliche von St. Stephani übernehmen den Predigtdienst in St. Walpurgis.
1851
Mit der neuen Kirchenverfassung geht die Entscheidungsbefugnis über St. Walpurgis auf den Kirchenvorstand von St. Stephani über.
1856
Auf Betreiben der Schuhmacher-Innung werden Taufen und Trauungen unter bestimmten Bedingungen wieder in St. Walpurgis möglich.
Erwerb des Hauses Walpurgisstr. 8 als Küsterhaus.
1858
Der erneuerte und vergoldete Turmknopf wird aufgesetzt.
1892
Die Kirche wird umfassend erneuert. Unter anderem werden die Priechen entfernt und eine Gasheizung sowie Gasbeleuchtung eingebaut.
1893
Eine neue Sauer-Orgel wird angeschafft.
1894
Die restaurierte Kirche wird am 18. März dur Generalsuperindenten Kuhn geweiht. Die Schuhmacher-Innung beteiligt sich an der Feier und stiftet eine neue Altarbekleidung.
1897
Mehrere historische Ausstattungsstücke und Geräte werden dem Vaterländischen Museum in Braunschweig übergeben. Die Konfirmanden stiften vier neue Altarleuchter.
1911 - 1948 | Auf dem Weg zur Selbständigkeit
1911/1912
Das Küsterhaus wird auf Kosten der Stadt neu errichtet.
1914–1918
Der Erste Weltkrieg prägt auch das kirchliche Leben. Während der Kohlennot 1917 werden Gottesdienste im gesamten Stadtgebiet zeitweise zusammengelegt.
1926
St. Walpurgis wird erneut umfassend restauriert. Dachfirst und Dachrinnen, Heizung, Beleuchtung und Innenvermalung werden erneuert.
1927
Die wöchentliche Bibelstunde der Gemeinde wird nach St. Walpurgis verlegt.
1931
St. Walpurgis erhält erneut den Rang eines eigenen Seelsorgebezirks.
1942
Die Forderung nach einer selbstständigen St.-Walpurgis-Gemeinde wird ausdrücklich unterstützt. Die Verselbstständigung der Gemeinde wird auf die Zeit nach dem Krieg verschoben.
1944
Beim Luftangriff auf Helmstedt am 20. Februar wird die Walpurgis-Kirche schwer beschädigt. Fenster, Dach und Haupteingang werden zerstört; Gottesdienste sind zunächst nicht möglich.
1947
St. Walpurgis erhält einen eigenen Hauptgottesdienst, eigenen Konfirmandenunterricht und eigene Gemeindeveranstaltungen.
Zum 1. Juni wird eine dritte Pfarrstelle an St. Stephani für den Bereich St. Walpurgis errichtet.
1948
Am 10. Februar wird die selbstständige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Walpurgis gegründet. Erster Pfarrer wird Günter Neumann. Am 23. Mai wird der erste Kirchenvorstand eingeführt.
1948 - 2026 | Die selbständige Gemeinde
1950
Nach der Rückgabe des Friedhofs St. Stephani durch die Stadt übernehmen St. Stephani und St. Walpurgis gemeinsam die Friedhofsverwaltung. Die Sauer-Orgel wird umgebaut.
1954
Eine zweite Pfarrstelle wird an St. Walpurgis eingerichtet, um das stark angewachsene Neubaugebiet an der sog. „Weißen Brücke“ zu versorgen. Am 9. August wird das neue Pfarr- und Gemeindehaus eingeweiht. Erwerb des Gartenhäuschens Jacobi aus dem Besitz der Buchholz´schen Erben.
1960
Die selbstständige St.-Michaelis-Gemeinde wird aus Walpurgis ausgegründet.
1961
Zwei neue Schilling-Glocken werden geweiht.
1964–1977
Pastor Heinrich Braun ist in St. Walpurgis tätig.
1966
Die Restaurierung des Kircheninneren wird abgeschlossen.
1967
Die Wappentafel der Schuster-Gilde wird restauriert und wieder auf der Empore angebracht. Die Schuhmacher-Innung stiftet neue Paramente.
1968
Die neue Hillebrand-Orgel wird geweiht.
1974
Der neue Kindergarten am Schwanefelder Weg wird eingeweiht.
1977
Die Außenrestaurierung der Kirche wird durchgeführt.
1978
Die Restaurierung der Stadtmauer im Bereich St. Walpurgis wird abgeschlossen. Pfarrer Lorenz Schlimme ist bis Januar 1980 in St. Walpurgis tätig.
1979
Die Gemeinde beschließt unter Vorbehalt des Patronats den Beitritt zum geplanten Stadtkirchenverband.
1980
Der Innenraum der Kirche wird neu ausgemalt. Im Dezember wird Pfarrer Gerhard Greve in St. Walpurgis eingeführt. Er bleibt bis 2017 im Amt.
2018
Seit Februar 2018 betreut Pfarrer Daniel Kolkmann die Kirchengemeinde St. Walpurgis sowie den Pfarrbezirk Georg Calixt I in Helmstedt. St. Walpurgis ist damit Teil des Pfarrverbands Helmstedt-Nord.
222
Die Gilde-Tafel wird restauriert und erhält einen besonderen Platz im Altarraum der Kirche.
2023
Pfarrer Daniel Kolkmann verlässt St. Walpurgis. Die Pfarrstelle kann nicht wiederbesetzt werden. Pfarrer Martin Pyrek übernimmt die Vakanzvertretung von Georg Calixt aus.
2024
Am 16. Juni wird der neue Kirchenvorstand in der St. Walpurgis-Kirche in sein Amt eingeführt.
2025
Im Zuge der umfassenden kirchlichen Strukturveränderungen beschließt der Kirchenvorstand die Eingliederung der Kirchengemeinde St. Walpurgis in die Kirchengemeinde Georg Calixt zum 1. Januar 2027.
2026
Die Orgel wird restauriert. Insbesondere wird das Rückpositiv zugänglich gemacht.
Die selbstständige Geschichte der Kirchengemeinde St. Walpurgis geht damit nach 78 Jahren zu Ende. Zum 1. Januar 2027 wird die Gemeinde in die Kirchengemeinde Georg Calixt eingegliedert.
Walpurgiskirche
Wer war Walburga?
Die heilige Walburga wurde um 710 in England geboren. Im Kloster Wimborne wurde sie zur Missionarin ausgebildet und folgte später ihren Brüdern Willibald und Wunibald nach Deutschland.
Nach dem Tod ihres Bruders Wunibald übernahm sie 761 die Leitung des Missionsklosters in Heidenheim (Mittelfranken) und gründete dort zusätzlich ein Frauenkloster. Damit gehörte sie zu den bedeutendsten Frauen des christlichen Europa ihrer Zeit.
Walburga starb um 779/780 in Heidenheim. Auf Darstellungen wird sie häufig mit drei Kornähren gezeigt – auch auf dem gotischen Flügelaltar unserer Kirche. Sie erinnern an eine Legende, nach der Walburga mit drei Ähren ein hungerndes Kind rettete.
Ihr Gedenktag ist der 25. Februar. Der Name der Walpurgisnacht (30. April/1. Mai) geht auf ihren mittelalterlichen Gedenktag am 1. Mai zurück. Mit Hexerei hatte die heilige Walburga nichts zu tun.











